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Juniorakademie Weser Ems 2008 - Zeitungsbericht
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„Hier merkt man gar nicht, dass man lernt“

Von Constantin Binder
Papenburg.

„Hero, mein Stein spricht nicht“, lautet ein Einwand gegen Kursleiter Hero Michaelsen. Der Emder Bildhauer hatte seinen Schülern immer wieder nahegelegt, sie müssten „auf ihren Stein hören“ – nur dann könnten sie die in ihm verborgenen Formen erkennen.

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Kleines Meisterwerk: Die 14-jährige Maren Kahlfeld aus Oldenburg schuf im Bildhauer-Kurs der Juniorakademie diese Skulptur aus Kalkstein.

Fotos: Constantin Binder

Michaelsen ist einer von zwölf Kursleitern der ersten niedersächsischen Juniorakademie für Hochbegabte in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte (HÖB) in Papenburg. Eine Woche lang beschäftigten 73 Kinder im Alter von 13 bis 16 Jahren sich hier mit sechs Spezialthemen, die über den Lehrplan ihrer Schulen weit hinausgehen.
In Michaelsens Gruppe sind in dieser Zeit zwölf Kalksteinskulpturen entstanden, die selbst Kunstkenner in Erstaunen versetzen würden. Zu den jungen Künstlern gehört die 14-jährige Ellen Achter aus Haselünne. Ihr Kunstlehrer hatte sie zu einer Bewerbung für die Juniorakademie ermutigt. „Ich wollte gerne noch was lernen“, erzählt sie und sagt, es sei „richtig spannend“ gewesen, etwas Neues kennenzulernen – in der Schule werde so eine Form der Kunst schließlich nicht behandelt. Die Arbeit an ihrem Stein sei nicht immer einfach gewesen, gesteht Ellen; irgendwann habe sie aber verstanden, dass sie eine völlig abstrakte Form aus ihm heraushauen müsse.
Wer die Arbeit mit den Händen scheute, hatte sich für den Philosophiekurs über „Lebensstil und Lebenssinn“ beworben. Hier erläutert die 13-jährige Anna Flint ohne zu zögern Platons Höhlengleichnis – ein Sinnbild für die Interpretation von Wirklichkeit, das zuweilen selbst Philosophiestudenten in Verlegenheit bringt. „Hier konnten wir mal drei Stunden einfach nur über die Dinge reden, die uns wirklich interessieren“, sagt Anna, „das ist in der Schule anders.“
Auch die anderen Kurse unterschieden sich vom Schulunterricht. Im Kurs „Ökosystem Hochmoor“ etwa standen gleich mehrere Exkursionen an, und die Gruppe „Natur – Kultur – und was kommt dann?“ wies Spuren menschlicher Entwicklung mit Bodenproben nach. Fast schon zu komplex sind die Ausführungen des 14-jährigen Holger Mettelsiefen aus dem Technikkurs, der die verschiedenen Arten von Brennstoffzellen vorstellt. Im Musikkurs schließlich sollten die Teilnehmer eigene Kompositionen zum Thema „Natur und...“ schreiben – und ihre Instrumente durch Tonaufnahmen aus der Natur oder am Computer verfremdete Geräusche ergänzen.
Den Begriff „hochbegabt“ hören die jungen Leute dabei gar nicht gerne. „Wir sind wohl weniger talentiert als engagiert“, meint etwa Jan Beyer. Wer sich wirklich für ein Thema interessiere, der setze sich eben besonders intensiv damit auseinander, sagt der 15-Jährige. Und Nachwuchsbildhauerin Maren Kahlfeld, 14, erklärt: „Ich würde mich nicht als hochbegabt bezeichnen. Wir haben hier alle eine gewisse Begabung, und die konnten wir hier eben ein bisschen entfalten.“ Die Akademie sei eine tolle Erfahrung gewesen, die sie „auf gar keinen Fall“ bereue. Das scheinen die anderen Teilnehmer der Akademie ähnlich zu sehen: Für ein Erinnerungsbuch hat jeder von ihnen ein kleines Fazit geschrieben – „Hier merkt man gar nicht, dass man lernt“, lautet eines von ihnen.
Erika Schmidt, die die Juniorakademie gemeinsam mit Herma Jans-Buse und HÖB-Leiter Dr. Thomas Südbeck geleitet hat, ist von so viel Zuspruch überrascht. „Ich habe noch nie in einem Team gearbeitet, in dem alles so reibungslos lief“, lobt sie am Abschlusstag. Ministerialrat Hans Walter, beim niedersächsischen Kultusministerium zuständig für die Hochbegabtenförderung, zieht einen ähnlich positiven Schluss: Die Juniorakademie sei ein solcher Erfolg gewesen, dass sie fortan regelmäßig stattfinden solle.
„Hier hat man so viel gewonnen“, sagt auch Ellen Achter aus dem Kunstkurs, „alle haben zusammengehalten, und viele neue Freundschaften sind entstanden.“ Vor allem aber hat Ellen gelernt, Steine zu verstehen.

Aus. EMS-Zeitung , 18.10.2008

 


 

 

Verantwortlich: Lau/ead | Stand: 07.11.2008



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