Gymnasium Eversten Oldenburg
Theodor-Heuss-Str. 7 26129 Oldenburg - Tel: 0441 5050270 Oberstufe: 5050272 Fax: 5050276

Das GEO Schüler Vertrauenslehrer Kollegium Schulleitung Eltern Freunde Ehemalige

»Termine
22.05.2012:
und 23.05.2012: verbindlicher Erste-Hilfe-Kurs für die 9. Klassen
22.05.2012:
Mündliche Abiturprüfungen in den P5-Fächern (Unterricht nach besonderem Plan)
23.05.2012:
ganztätig mündliche Abiturprüfungen in den P5-Fächern (unterrichtsfrei)
24.05.2012:
nachmittags mündliche Abiturprüfungen in den P5-Fächern
29.05.2012:
Ferientag nach Pfingsten
01.06.2012:
Hochschulinformationstag der Uni Oldenburg (betr. den 11. Jahrgang)
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Erinnerungsgang 2007 - Abschlussveranstaltung JVA
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Schweigemarsch:

Abschlussveranstaltung vor und in der JVA

 

Szenische Darstellung der Theater AG vor der JVA:

Solidarität kann Isolation durchbrechen

 

Thaeter 1

 

Thaeter 2

 

Theater 3

 

Theater 4

 

JVA alt 1

 

JVA alt 2

 

Abschlussveranstaltung im Innenhof der JVA

 

Der Chor des GEO unter der Leitung von Frau Kanngießer

 

JVA Abschluss 1

 

JVA Abschluss 3

 

JVA Abschluss 5

 

JVA Abschluss 6

 

Hanno Fietz tägt aus den Erinnerungen Heinrich Hirschbergs vor (siehe Materialien)

 

JVA Abschluss 8


In meine Wohnung kamen die SA-Leute gegen 7Uhr.30 morgens. Es kamen zwei SA-Leute in die Wohnung und riefen schon auf der Treppe laut: Polizei!!! Polizei!!! Als unser Hausmädchen, Fräulein Rosa, das hörte, kam sie ganz bestürzt in die Küche, wo ich mich aufhielt und wiederholte: Polizei!!! Polizei!!! Da ich ein reines Gewissen hatte, aber trotzdem jeden Tag damit rechnete, dass auf Grund des Attentats von Paris auf den Gesandtschaftsgehilfen vom Rath durch Mordko Grynspan etwas passieren würde, ging ich den SA-Leuten gefasst entgegen. Einer der beiden Männer sagte in ganz ruhigem Ton: „Sind Sie Herr Hirschberg?“ Ich bejahte das. Darauf erklärte er: „Sie sind verhaftet. Machen Sie sich sofort fertig; auch Ihre Frau und Kinder müssen mit.“ Darauf sagte ich: „Das muss ein Irrtum sein! Ich weiß keinen Grund für diese Maßnahme.“ Der SA-Mann sagte darauf: „Es ist eine Vergeltungsmaßnahme wegen des Pariser Mordes.“ Ich sagte: „Damit habe ich nichts zu tun.“ Der SA-Mann sagte: „Das weiß ich, es ist eine Aktion im ganzen Reich. Sie müssen jetzt alle mit; machen Sie sich schnell fertig!“

Inzwischen weinte meine Tochter Hella, und meine Frau sagte: „Wo soll ich denn hin mit dem kranken Kind?“ Der eine SA-Mann, der bisher ständig das Wort geführt hatte, sagte: „Wenn das Kind krank ist, so bleiben Sie mit dem Kinde zu Hause. Ist sonst noch jemand im Hause?“ Ich sagte: „Ja meine ältere Tochter, aber sie ist nicht wohl.“ –Der SA-Mann sagte: „Dann gut, so machen Sie sich allein fertig.“ Aber der zweite SA-Mann erklärte, damit nicht einverstanden zu sein, es mussten alle mit. Meine Frau und Kinder waren ohnehin erschrocken und weinten, und der erste Sa-Mann hatte Mitleid und sagte etwas zu dem anderen SA-Mann, so dass er sich damit einverstanden erklärte, nur mich allein mitzunehmen. Er ging in seinem Entgegenkommen sogar so weit, mir zu raten, gemütlich zu frühstücken. Aber ich dankte ihm und wies darauf hin, dass mir der Appetit vergangen sei. Ich bat nur, etwas Sachen, wie Wäsche, einen Anzug zum Wechseln, Toilettenartikel, und so weiter, mitnehmen zu dürfen. Damit war er einverstanden. Ich machte den Abschied kurz und sagte nur „Lebt wohl“, denn im Moment dachte ich: „Wir sehen uns doch nicht wieder.“ Aber wie aus einem Mund erwiderten alle, auch FräuleinRosa: „Auf Wiedersehen!“ Und da erwiderte ich erst: „Auf Wiedersehen!“
Als ich die Treppe herunterging, hörte ich oben ein schreckliches Gejammer, alles schluchzte, aber ich blieb hart.

Unten wartete ein weiterer SA-Mann, der sich mit der Bewohnerin meines Hauses, Frau Janßen, unterhielt. Er lief sofort an das wartende Personenauto, machte den Verschlag auf, ich ging als erster hinein, dann die drei SA-Männer.

In ein paar Minuten waren wir in der Polizeikaserne, wo ich bereits die ganze Gemeinde versammelt angetroffen habe. Die Frauen und Kinder standen im Hof, waren also schon ausrangiert und sollten nach Hause gehen. Ich wurde in den Raum hineingeführt, alle Männer waren nur notdürftig angekleidet, meistens im Nachthemd und mit Oberkleidern überworfen. Sie erzählten mir dort, die Synagoge und die Schulgebäude waren nachts niedergebrannt worden. Der Lehrer Alexander Freund und seine Frau waren nachts um 1Uhr 30 aus dem brennenden Haus geflüchtet. Sie sollten womöglich verbrannt oder totgeschlagen werden, aber wie durch ein Wunder sind sie im Dunkeln in der draußen stehenden Menge untergetaucht, die alle sehr interessiert zusahen, wie auf eine Frau dreingeschlagen wurde, und sie in Todesangst schrie: „ Ich bin keine Jüdin!“ Es war nämlich die Hauwärterin Frau Wulf. Sie hat die Frau und Herrn Freund zugedachten Schläge bekommen, als sie aus dem brennenden Haus flüchtete. Sie ließen erst von ihr ab, als sie erkannt wurde.

 

Victoria Frers spricht für die Schüler des Gymnsiums Eversten die Schlussworte

 

Vicoria Frers

 

Verehrte Anwesende,

zum Ende unserer Vorbereitung auf die Ausstellung in der Landesbibliothek und den Erinnerungsgang haben wir uns gefragt, was wir daraus mitgenommen haben.

Vor allem wurde uns deutlich, dass uns zwar die wichtigen Fakten durch die Schule bekannt waren, wir aber zu der Geschichte unseres Landes kaum eine persönliche Beziehung hatten.
Durch Gespräche mit Zeitzeugen bekamen wir ein neues Verständnis für die damalige Zeit. Vor allem war es spannend sich noch einmal zu verdeutlichen, dass diese schrecklichen Dinge auch direkt hier in Oldenburg stattgefunden haben. Es war für uns also nicht mehr nur Stoff, den wir für die nächste Klausur zu lernen hatten, sondern wir können uns die Geschehnisse jetzt besser vorstellen, da sie an für uns bekannten Orten passierten.

Die Bibliothek, der Weg, den wir heute gegangen bis hier in die JVA, sehen wir jetzt mit anderen Augen. Wir sehen unser grünes und gemütliches Oldenburg, aber auch die brennende Synagoge, die jüdischen Männer, ihre Familien, ihre Angst und ihr Leiden.

Die Auseinandersetzung mit Heinrich Hirschberg und Karl Polak machte das Geschehen im November 1938 für uns nachvollziehbar. In ihren Schicksalen bekam die Herrschaft der Nationalsozialisten hier in Oldenburg für uns Konturen. Die Beschäftigung mit dem Schulalltag schärften diese noch mal.
Kaum vorstellbar wie Kinder, die ja noch gar nicht die Geschehnisse begreifen konnten, durch ihre Lehrer und Mitschüler ausgegrenzt und diskriminiert wurden.
Durch diese intensive Beschäftigung wurde uns immer deutlicher, dass der nationalsozialistische Terror nicht irgendwo im fernen Berlin, Hamburg oder München stattfand, sondern eben hier in der Stadt, in der wir aufgewachsen sind.

Um zu erfahren, was Gleichaltrige heute über die NS-Vergangenheit und den heutigen Umgang mit ihr denken, haben wir Mitschüler interviewt. Und wie sagte Ajoscha: “Es gibt großes Wissen, aber die neue Generation hat dazu keine Verbindung, keinen Bezug mehr.“

 

JVA Abschluss 9

 

JVA Abschluss 10


 

 

Verantwortlich: Rosenfeld / e-a-d | Stand: 06.07.2008



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