Gymnasium Eversten Oldenburg
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Erinnerungsgang 2007
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Präsentationen zum Erinnerungsgang

 

Ausstellungseröffnung am Donnerstag, dem 8.11. 2007, in der Landesbibliothek durch die AG „Erinnerungsgang“

 

Christian Gebhard Und Hanno Fiets

 

 

Christian Gebhard und Hanno Fietz haben sich mit den Erinnerungen von Heinrich Hirschberg und Karl Polack beschäftigt.

Hier präsentieren sie ihre Arbeitsergebnisse.

Vortrag Christian Gebhard

Sie sehen hier, drei Stellwände. Die erste zu Ihrer Linken stellt die Geschehnisse vom 9 auf den 10 November 1938 chronologisch an Hand eines Zeitstrahls da. Anknüpfend an diese Stellwand zeigen die beiden anderen persönliche Einzelschicksale diese Ereignisse und die Zeit danach betreffend. Die mittlere Stellwand stellt das Einzelschicksal des Juden Heinrich Hirschberg dar. Er eröffnete 1919 in Oldenburg mit seiner Frau Rahel ein Großhandelsgeschäft mit Kurz- und Galanteriewaren. Wie auch andere Juden in Oldenburg wurde Hirschberg während der Reichskristallnacht in seiner Wohnung am 10 November verhaftet und musste sich von seiner Familie trennen. Er wurde nach seiner Festnahme zusammen mit etwa 40 Juden aus Oldenburg an der noch brennenden Synagoge vorbeigeführt. Von dort ging der Marsch der Juden durch die belebten Geschäftstraßen – wie Haarenstraße – Lange Straße – Schlossplatz – Damm – zum Gefängnis. Dort stieß er auf weitere Juden aus Oldenburg, welche an den Aufräumungsarbeiten der abgebrannten jüdischen Synagoge mithelfen mussten. Gegen Mittag wurde Hirschberg zum Bahnhof geführt, wo er miterleben musste, wie Jugendliche Schmählieder sangen, die sie, wie er meinte, sicher vorher schon einstudiert hatten. Vom Bahnhof aus ging es in einem Sonderzug über Bremen ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Durch die Hilfe seiner Vetters, der für ihn gebürgt hatte, wurde er schon am 23 November wieder entlassen. Wie durch ein Wunder gelang es ihm, bereits nach kurzer Zeit nach New York auszuwandern. Er verstarb im Jahr 1976 in den USA.
Über seine Festnahme und den darauf folgenden Transport bis hin zum Konzentrationslager Sachsenhausen berichtet Hirschberg dramatisch und mitfühlend in seinem Tagebuch: „Meine letzten Tage in Deutschland“. Diese Tagbuchaufzeichnung ließen mich förmlich nicht mehr los, und bewegten mich dazu, seine Erlebnisse auf einer Stellwand hier in der Landesbibliothek darzustellen. Und Ich hoffe, dass sie alle hier, genauso wie ich, von den Erlebnissen Heinrich Hirschbergs so mitgerissen und mit ihm mitfühlen werden, dass sie seine tragische Geschichte, wie auch den 10 November 1938 mit all seinen Ereignissen nie vergessen werden.

 

Vortrag Hanno Fietz

Verehrte Anwesende!

Bei unserer Arbeit haben wir uns aber nicht nur auf den Oldenburger Juden Heinrich Hirschberg beschränkt, sondern uns auch mit dem Schicksal des Leeraner Juden Karl Polak beschäftigt.
Karl Polak hat die Geschehnisse am Oldenburger Bahnhof vom 10. November (1938) aus einem Viehwaggon beobachtet, in dem er aus Leer hertransportiert worden war. Hier kreuzten sich die Wege von Karl Polak und Heinrich Hirschberg, auch wenn sie sich gegenseitig nie bewusst begegnet sind. Zusammen mit über 900 weiteren Juden wurden sie von Oldenburg aus nach Sachsenhausen transportiert.
Seine furchtbaren Erlebnisse hat Karl Polak nach 1945 niedergeschrieben. Dazu möchte ich die Textpasssage zitieren, in der er die Situation damals am Oldenburger Bahnhof beschreibt, beginnend mit der „Verladung“ in die Viehwaggons in Leer:

Der Zug brachte die Opfer ins Konzentrationslager Sachsenhausen.
Von dort wurde Karl Polak zwar bereits Anfang Februar 1939 wieder entlassen.
Aber im Gegensatz zu Heinrich Hirschberg gelang ihm nicht die Flucht aus Deutschland. Es begann für ihn eine Odyssee durch drei weitere Konzentrationslager. Er überlebte Altlandsberg, Auschwitz und Buchenwald.

Seinen Weg haben wir auf dem rechten Plakat dokumentiert.

1945 war er am absoluten Ende seiner Kräfte, er erlebte die Befreiung nur noch im Fieberwahn.
Es gäbe noch viel über seine erschütternden Nachkriegserlebnisse zu erzählen, aber dafür ist hier und heute kein Raum. Zu sagen bleibt: Karl Polak hat nach seiner Befreiung weiter in Deutschland gelebt und ist am 21. März 1994 gestorben.

Mit der Dokumentation seines Schicksals möchten wir den Blick über die Stadt hinaus auch auf die betroffenen Opfer aus dem Umland Oldenburgs lenken. Heinrich Hirschberg und Karl Polak stehen stellvertretend für die 25.000 Männer, die den Terror der Nationalsozialisten im November 1938 erleiden mussten.


 

 

Verantwortlich: Rosenfeld / e-a-d | Stand: 18.09.2008



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